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HYPOCRISY Mass Hallucination Tour 2026 - Essigfabrik, Köln - 23.04.2026
Zum 35jährigen Band-Bestehen und Release neuer Songs statten die Schweden von HYPOCRISY rund um Tausendsassa Peter Tägtgren ausgewählten europäischen Konzerthallen, darunter acht deutschen Clubs, einen Besuch ab. Die psychedelisch anmutende „Mass Hallucination“-Tour ist dabei allerdings keine drogenschwangere Hippie-Veranstaltung, auch wenn genug Langhaarige dem Biergenuss frönen, sondern ein feistes Skandinavien-Billing. Dadurch, dass die Veranstalter VREID, VOMITORY und ABBATH ins Supportprogramm packen, geben zudem weitere namhafte Acts ihr Stelldichein, welche zusammen mit dem Headliner einen härtemäßig ausgewogenen Abend garantieren.
VREID: Vom schwarzen Himmel in tiefe Berge
Der überpünktliche Beginn der ersten Vor-Band VREID hat einige Besucher der von Anfang an gut gefüllten Kölner Essigfabrik durchaus überrascht. Dass die Norweger nicht vor leeren Rängen spielten und erste Metalheads bereits heftig die Matte rotieren ließen, stellte unter Beweis: ihr klassisch angehauchter, leicht experimenteller Melodic Black Metal kam bei den Anwesenden durchaus gut an. Zudem erlaubte das sich stetig füllende Haus eine ordentliche Album-Promo. Indes, gleichwohl die neuen Nummern von „The Skies Turn Black“, VREIDs mittlerweile zehntem Output seit Band-Gründung im Jahr 2004, live zum Zuge kamen, so wurden überdies Songs vergangener Tage („Into The Mountains“) performt. Insgesamt ein solider Auftakt.

VOMITORY: Aufs Maul
Groß Zeit für den Umbau zur VOMITORY-Show verging nicht, da bollerte sich das schwedische Abrisskommando, ebenfalls mit taufrischem Material am Start, durch präzise, kurzweilige Death/Grind-Prügelnummern. Die Kompromisslosigkeit der ausgesprochen heftigen Musik sowie der Umstand, dass am Griffbrett amerikanischen Thrash-Legenden Tribut gezollt wurde, ließ einen breit grinsend an ein modernes „Reign In Blood“ denken. Dabei verbanden die vier Schweden während ihres Auftritts aktuelle Abrissbirnen, etwa „Wrath Unbound“, mit alten Brutalo-Klassikern wie „Chaos Fury“. Mit Abstand die härteste Band des Abends! Geiler Scheiß!

ABBATH: Black Metal mit einem Augenzwinkern
Wer ABBATH, Namensgeber der im Anschluss auftretenden Musikgruppe, als Künstler auf der Bühne erlebt hat, auch im Rahmen seines alten Betätigungsfeldes IMMORTAL, der weiß, dass man ihn das heißen kann, was die Angelsachsen einen „Goofball“ nennen, so unernst und auf eine Art parodistisch erscheinen Gepose und Ansagen. Dann wiederum muss man ihm freilich lassen, dass er offensichtlich für die Metal-Bühnen dieser Welt geschaffen ist und sich dort wie zuhause fühlt. Der dargebotenen Musik, einer Mischung aus Kompositionen der ABBATH- sowie der IMMORTAL-Ära, kam dies natürlich zugute, wobei die nicht wenigen Fans es ihm mit ersten „Zugabe“-Rufen dankten.

HYPOCRISY: Nostalgische Retrospektive
Als HYPOCRISY schließlich die Bretter betraten und das Finale des Abends einläuteten, lag etwas Magisches in der Luft. Viele der älteren Semester mochten sich entsinnen, wie die schwedische Band – allen voran Peter Tägtgren, der als Musiker und Produzent zu einer regelrechten Szene-Größe avancierte – damals nur mit einer Handvoll Alben ihren Werdegang zu Metal-Fans begleitete. Entsprechend hatten einige der präsentierten Songs bereits Klassiker-Status inne. Dessen waren sich Tägtgren und Co. auch bewusst. Zwar wurden immer wieder, nie weit weg vom Abyss-Signature-Sound, die Erwartungshaltungen erfüllt und Hits der Band-Historie wie „Eraser“ gespielt. Die großen Hymnen „Fractured Millennium“ oder „Roswell 47“ hat man sich indes bis zum Ende aufgespart, um die Spannung aufrechtzuerhalten. Eine abwechslungsreiche Setlist sowie, passend dazu, eine farbenfrohe, atmosphärische Lightshow führten dabei insgesamt durch unterschiedliche Schaffensperioden der mittlerweile legendären Melodic-Death-Metal-Kombo, die hier ihren Ausnahme-Status eindrucksvoll untermauern konnte.

FAZIT: Offenbar geht der Plan der Veranstalter auf, ein ausgewogenes Skandinavien-Brett auf die europäischen Bühnen zu bringen. Die schwedisch-norwegisch besetzte Tour sorgte in der Kölner Essigfabrik zumindest nicht für „massenhaft Halluzinationen“, sondern für Klarheit im Hinblick darauf, dass alte Garden wie die melodiebedachten HYPOCRISY oder die brutal holzenden VOMITORY immer noch Power, Spielfreude und Blut in den Adern haben – trotz oder gerade wegen der geschichtsträchtigen Verwurzelung in der Metal-Szene.
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